Swing

Ich blogge so wenig, dass tatsächlich mein letzter Eintrag vor knapp einem Jahr war. Damals habe ich mir den Schmerz über den Verlust unserer Windhündin Kuki von der Seele geschrieben. 11 Monate sind seitdem vergangen. Und ja – Zeit heilt Wunden. Im Leben passieren so viele Dinge, dass die Trauer bald der Alltagsrealität weicht. Und heute nun, habe ich wieder einen großen Schmerz zu beklagen. Ein solch großer, dass mir vom vielen Weinen die Augenhöhlen weh tun und der mich erschöpft mit leerem Blick einfach dasitzen lässt. Es ist mein Dritter Hund den ich heute gehen lassen musste. Es tut weh. Daran kann man sich nicht gewöhnen, noch wird es irgendwie einfacher. Heute am 17.06.2024 um 9.39 Uhr mussten wir unsere spanische Windhündin Swing durch eine Spritze beim Tierarzt gehen lassen. Sie hatte Mastzellenkrebs 3. Grades. Dieser ist nicht heilbar und bildet rasend schnell Tumore.

Swing wurde nur 8 1/2 Jahre alt. Und das allein macht mich so unfassbar traurig. Denn Swing hat die ersten 6 Jahre ihres Lebens unter unvorstellbaren Bedingungen mit sehr viel Leid, Hunger und Entbehrung in einem Zwinger im Hinterland Malagas verbracht. Gequält, misshandelt, vernachlässigt von rücksichtslosen Galgueros. Der Zwinger wurde zum Glück für Swing und andere Hunde durch die Polizei entdeckt und Swing kam in die Auffangstation von Galgos en Familia. Dort lernten wir sie zum ersten Mal kennen, als wir in Torremolinos unseren Urlaub verbrachten.

Sie war sehr scheu und kam in der Regel nicht aus ihrer Box raus, die ihr Schutz und Sicherheit gab. Nur zum Fressen verließ Sie sie. Und das aber dann voller Begeisterung. Denn Fressen war für sie das Größte, weil sie vermutlich sehr viel Hunger gelitten hat.

Ich habe mich sofort in sie verliebt und ich gebe zu, dass ich die treibende Kraft war und Antje berechtigterweise Bedenken hatte. Nicht wegen Swing, sondern wegen der Tatsache, dass sie zu diesem Zeitpunkt unser 3.Hund gewesen wäre und dann auch wurde. Da sie noch medizinische Behandlungen brauchte, konnten wir sie nicht direkt mitnehmen, sondern sie wurde uns im Dezember 2021 auf einem Autobahnparkplatz übergeben. So kam sie in unser Leben. Sie brauchte natürlich eine gewisse Zeit aufzutauen, vertrauen zu  finden, sich an ihre neue Umgebung zu gewöhnen und sich an Kuki, unsere andere Windhündin und an Glenn unseren Dackel zu gewöhnen. Nach ca. 4 Wochen lag sie zum ersten Mal entspannt und zufrieden auf dem Rücken in ihrem Körbchen. 

Trotz des Vertrauens. Swing war ein traumatisierter Hund. Mit viel Angst und Misstrauen anderen gegenüber. Auch ihr Sozialverhalten anderen Hunden gegenüber war schwierig und wurde schwieriger. Doch spätestens wenn sie mich mit ihren Kulleraugen nach einem Ausraster angeschaut hatte, konnte ich ihr kaum böse sein, mit dem Wissen, was sie durchgemacht hatte. Ich wollte Ihr einfach eine gute Zeit geben und die ersten, schlechten 6 Jahre ihres Lebens mit 6 weiteren guten aufwiegen. Das hätte mich irgendwie zufriedengestellt und ich hätte ihr eine gewisse Balance geben können und einen Beweis dafür, dass nicht alle Menschen schlecht sind.

Ich bin der Überzeugung, dass Swing die letzten 2 ½ Jahre ein wirklich sehr tolles und glückliches Leben hatte. Darüber bin ich sehr froh und stolz und genau das war der Plan. Wir haben mit ihr gespielt, sie hat ihre Liebe zu Bällen entdeckt, sie hat in richtig tollen Hundebetten (viel zu viele) schlafen können, sie hat hunderte von Kuscheleinheiten bekommen und natürlich ganz viel Futter und Leckerlies. Am zufriedensten war sie immer, wenn Sie am Ende eines Tages im Schlafzimmer in der direkten Nähe bei Antje liegen und einschlafen konnte. Dann hatte sie einen glücklichen und erleichterten Eindruck und hat voller Zufriedenheit geseufzt.  Das anzusehen, hat mich immer sehr, sehr glücklich gemacht.

Wie gerne hätte ich ihr noch weitere Jahre geschenkt und sie beim Entdecken ihrer neuen Welt als ihr Beschützer begleitet. Es ist nicht so gekommen. In rasend schneller Geschwindigkeit hat sich der Krebs auf ihrem Körper breitgemacht und am Schluß in einem Tumor sogar ihren Hinterlauf befallen, so dass sie Schmerzen beim Gehen hatte.

Sie war noch nicht bereit zum Sterben. Sie war noch so voller Lebensfreude und Entdeckungsdrang. Das macht es für mich auch so unendlich schwer und treibt mir die Tränen ins Gesicht. Es wäre vielleicht anders gewesen, wenn Sie alt und krank gewesen wäre. Aber bis auf den Krebs war sie das nicht.

Es ist dieser unfassbar schwere Moment in der man aus Vernunft und Tierwohlgründen entscheiden muss seine Hündin gehen zu lassen, damit sie nicht unter Schmerzen leidet. 

Dieser Moment war heute, an einem sonnigen Tag, den 17.Juni um 9.39 Uhr. Es tut so sehr weh und ich kann noch nicht begreifen, dass Du nicht mehr bei mir bist, Swing. 

Published by monissen

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