Sales – die wichtigste Rolle der Welt

Typisch ist der erste Gedanke. Leute im Vertrieb, die tragen ja meistens dick auf und sprechen in Superlativen. „Stärkste Performance, die längste Lebensdauer, höchste Präzession“ und, und, und. Ohne Komparativ kann kein Satz gebaut werden und alles ist sowieso immer möglich. Zum Leidwesen der Kollegen, die diese Versprechen in Dienstleistung und Technik dann später umsetzen müssen. Ein Vertriebsleiter sagte mir einmal, Mitarbeiter im Vertrieb lügen nicht, sie erzählen nur „Sachzwang reduzierte Ehrlichkeit“ oder auch „vertriebliche Wahrheit“ genannt. Und überhaupt, Vertrieb, was ist das eigentlich? Wie nennt man diese Leute noch? Vertreter, Außendienstmitarbeiter, Vertriebler, Account – oder Key Account Manager usw. Sind wir mal ehrlich, noch am Anfang der 2000er haftete dem Menschen im Vertrieb ein gewisses Stigma an, das fest in den Köpfen der Menschen verankert war. Anzug (je nach vertrieblichem Erfolg von C&A oder Maßanzug), dicke Uhr (Casio, später Rolex) und dickes Auto (von Skoda bis S-Klasse spiegelte sich hier die Sales Hierarchie am schnellsten wider). Dazu eine Ledermappe mit Mont Blanc für die wirklich großen Deals. Vom Typ her irgendwie glitschig und auf der Skala des Vertrauens irgendwo zwischen Versicherungsvertreter und Börsenmakler anzusiedeln. Klischees denken Sie? Ich habe es selbst so erlebt und habe viele Jahre dazu gebraucht, auf die Frage – „und was machst Du so?“ – voller Überzeugung zu antworten: „Ich arbeite im Sales.“
 
Im Vertrieb zu arbeiten kann vieles bedeuten. Vom SaaS getriebenem Lösungsvertrieb von komplexen Software Lösungen über Bauteile von Windkrafträdern bis hin zu automatisierten Produktions- und Fertigungshallen. Für die Arbeit im Vertrieb gibt es oftmals Sport Analogien die zum Teil passen, doch im Vergleich zu einem Wettbewerb, in dem am Ende ein Team gewinnt und eines verliert, gewinnen bei einem Vertragsabschluss im Sales immer zwei Parteien. Der Kunde, dessen Problem gelöst wurde und der Vertriebsmitarbeiter, der dieses erkannt hat. 
 
Die Global Talent Trends von LinkedIn untersuchen in regelmäßigen Abständen sich verändernde und stark nachgefragte Skills in der Arbeitswelt. Diese sind unterteilt in Hard- und Soft Skills. Seit Jahren ganz oben im Ranking dabei sind Soft Skills wie „Persuasion“ und „Emotional Intelligence“ sowie die Hard Skill „Sales.“ Wie kommt das? In welchem Widerspruch steht dies zu „On Demand“ oder „Self-Service“ Sales? Aus meiner Sicht aus folgendem Grund. Vertriebliche Fähigkeiten sind schon längst nicht mehr ausschließlich nur dort gefragt, wo es um den Verkauf von Waren- und Dienstleistungen geht, sondern in vielen anderen Bereichen auch. Mitarbeiter der Personalabteilung bzw. Personaldienstleister z.B.„verkaufen“ in der heutigen Welt des Fachkräftemangels Jobs bzw. Ihr Unternehmen oder Aufgaben an Kandidaten.Wie mann es richtig macht, wusste schon Tom Sawyer, als er eine zu erledigende Strafarbeit einen Zaun zu streichen, durch das richtige Storytelling in eine vollkommen andere Perspektive umwandelte.Die Szene finden Sie hier. Aus der Employers World ist eine Employees World geworden und dies erfordert ganz andere Fähigkeiten als zuvor. Dies gilt aber auch für den Einzelnen, der durch den Aufbau und der Entwicklung seiner Personal Brand eine ganz eigene und individuelle Marken- und Verkaufsstrategie haben muss. Ganz egal wie sein Jobtitel ist. Globalisierung und Vernetzung führen dazu, dass alles und jedes vergleich- und austauschbar ist. USP´s haben eine kurze Halbwertszeit. Selbstvermarktung ohne übersteigerten Narzissmus, sondern die Schaffung einer authentischen, vertrauensvollen Identität sind eine zwingende Voraussetzung für beruflichen und privaten Erfolg. 
 
EQ in Verbindung mit IQ. Einfühlungsvermögen, die Fähigkeit zuzuhören und die Gabe durch Storytelling komplexe Probleme zu visualisieren und zu entschlüsseln, all dies sind Fähigkeiten, die zwar zum Vertrieb gehören, ihm aber nicht exklusiv vorbehalten sind. Jeder und jede braucht sie. Mitarbeiter im Vertrieb sind hier nur besser aufgestellt und liegen im Trend der aktuellen Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt. Es ist aber keine „Self Fulfilling Prophecy“, sondern erfordert eine konstante Lernbereitschaft und den unbedingten Willen sich immer wieder neu zu erfinden. Das macht es aber auch so spannend. Wenn ich z.B. gefragt werde, wieviel Jahre Sales Erfahrung ich habe, antworte ich, „maximal 1 Jahr.“ Der Grund dafür sollte klar sein. Ich bin heute in der Position, in der ich mit breiter Brust und voller Überzeugung sagen kann, ich liebe es im Vertrieb zu arbeiten. Es ist meine Passion. 

Published by monissen

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