2 Jahre Alexa im Haus – Es ist kompliziert. Ein Beziehungsbericht.

Am 21. Januar 2017 zog Alexa bei mir ein. Inzwischen hat sich die (Alexa) Familie vergrößert. Doch sie nimmt gerade wieder auch ein wenig ab. In meinem damaligen Review brach ich die von mir genutzte Funktionalität auf drei Bereiche herunter.

  1. Musik

Hier habe ich inzwischen erweitert. Nachdem Amazon dem Echo auch die Funktion des Multiroom Streamings schenkte, hielt ich es für eine relativ preiswerte Variante, meine Wohnung mit Lautsprechern in verschiedenen Räumen inklusive Küche und Bad auszustatten. Die 2. Generation der Echos hat in Bezug auf Klangqualität einen deutlichen Sprung nach vorne gemacht. Natürlich kommt der Lautsprecher nicht an eine Klangtiefe aus dem Hause Bose heran, doch das war auch bei dem Preis nicht meine Erwartungshaltung. Zumal ich generell bei Amazon Music bzw. bei Spotify durch reduzierte Bit Raten Abstriche mache. Überwiegend höre ich viel Radio. Die Einrichtung einer Gruppe für das Multiroom Erlebnis war recht einfach und läuft passabel. Es gibt immer mal wieder Aussetzer, wenn die Bandbreite nicht ausreichend ist, doch das kann auch an der Leistung meines Internet Providers liegen. (wobei ein 200 Mbit/s aus dem Hause vodafone eigentlich ausreichend sein sollte.)

Vereinfacht gesagt. Alexa ist mein Webradio ohne Fettfinger und nasse Hände.

  1. Wecker

Alexa ist mein Wecker. Das funktioniert tadellos und diese Funktion möchte ich nicht mehr missen. Ich ertappe mich inzwischen in Hotelzimmern auf Geschäftsreisen, dass ich „Alexa – weck mich um 6.30 Uhr“ erfolglos in den Raum rufe. Nun gut, dann muss halt das Smartphone als Wecker herhalten. Lustig (nicht zwangsläufig notwendig) finde ich auch die Möglichkeit der Einrichtung von Routinen. Wenn ich zu meiner Alexa beispielsweise „Alexa – Gute Nacht“ sage, spielt sie mir zum Einschlafen „La-Le-Lu“ von Heinz Rühmann vor. Alexa kann innerhalb dieser Routine auch gleichzeitig das Licht ausschalten, doch dazu komme ich noch später unter dem Punkt „Smart Home.“ Bei meiner Routine „Alexa – Guten Morgen“ werde ich übrigens mit „Here comes the Sun“ von den Beatles in den Tag geschickt.

  1. News und Informationen

In der Theorie klappt das auch nach 2 Jahren. „Alexa – was gibt es neues“ löst bei mir die Tagesschau in 100 Sekunden aus und spielt mir somit einen kurzen Nachrichtenüberblick vor. Das passt für mich. Mehr frage ich diesbezüglich auch nach 24 Monaten nicht ab. Ich habe es anfangs versucht und Alexa nach verschiedenen Schriftstellern, Musikern oder Themenbereichen gefragt. Die Antworten waren mir in der Regel zu generisch und nicht umfangreich genug. Daher nutze ich zur Recherche und für weiterführende Informationen immer noch die gute alte Suchmaschine. Amazons Alexa wird mich daher nicht vom Screen wegbewegen. Es gab anfangs einige Artikel, die ich zu dem Thema las. Hier gab es Spekulationen, dass durch steigende Audio Anfragen über Smart Home Assistenten, die Werbeeinnahmen von Google oder Bing gefährdet seien.  Auf mich trifft das in meinem Nutzungsverhalten nicht zu.

echo

Dies waren meine Kernanforderungen vor 2 Jahren. Doch was hat sich seitdem für mich geändert? Wie weit hat sich der Sprachassistent in meinem Leben noch breitgemacht? Es gab seinerzeit euphorische Ausblicke, als auch google und apple in den Startlöchern standen.

Ehrlich? Nicht viel. Ich habe anfangs konsequent viele Skills auf Alexa installiert und sogar große Teile meiner Wohnung mit dem Smart Home Beleuchtungssystem „Tradfri“ von Ikea ausgestattet. Zu der Zeit musste meine Alexa der 1.Generation noch mit einer zusätzlichen Bridge ausgestattet werden. Ich habe Räume in Gruppen unterteilt und musste mich, wenn ich in einen Raum eintrat, eine Zeit lang selbst erziehen NICHT den Lichtschalter zu betätigen, sondern stattdessen zu sagen. „Alexa – schalt das Licht im Flur an.“

Das hat auch in der Regel gut geklappt. Auch das Dimmen oder die Veränderung der Lichtquelle von grellem Licht in warmes Licht. Aber manchmal funktioniert es eben nicht und dann betätigt man eben doch wieder den Lichtschalter wie gewohnt und alles fängt wieder von vorne an. Es braucht Zeit.

Smart Home und was noch? Die drop-in Funktion in andere Räume bzw. das Anrufen anderer Räume wie bei einer Gegensprechanlage nutze ich persönlich nicht. Der Klang ist hierbei auch wirklich nicht berauschend und neigt zu Rückkoppelungen. Ob sich das als Ersatz für ein Babyphone durchsetzen wird, vermag ich nicht zu beurteilen. Das Anrufen bzw. das Versenden von Sprachnachrichten von anderen Geräten außerhalb des Haushaltes funktioniert besser und wird von mir durchaus häufiger genutzt. Letztendlich muss man sich für ein Medium entscheiden, denn dies stellt ja WhatsApp genauso dar. In der Alexa App hat man allerdings noch zusätzlich die Auswahl, die aufgezeichnete Nachricht nicht nur von Unterwegs abzuhören, sondern sie auch zu lesen. Das ist Mitunter recht putzig und zeigt am deutlichsten auf, wie groß die Schwäche eines Sprachassistenten noch immer ist, menschliche Aussprache korrekt zu verstehen. Ihr solltet das einmal ausprobieren und Euch anschauen. Gerade unter dem Aspekt der Unsicherheit, was Alexa eigentlich wirklich im Laufe seiner Lebenszeit aufzeichnet und als Daten an Amazon sendet.

In der heutigen Zeit wird viel darüber philosophiert, wie weit Künstliche Intelligenz wirklich sei und wann sie letztendlich den Menschen überholen wird. Wenn man sich dann wieder erden möchte, sollte man einfach mal zwischendurch 1-2 Sprachprotokolle in seiner App lesen. Dann kann man beruhigt durchatmen und feststellen, dass es wohl noch ein wenig dauert. Über die App kann man übrigens wirklich jegliche Anfrage und Aufzeichnung tracken. Man hat also jederzeit Transparenz darüber, was die Mitbewohnerin Alexa aufzeichnet.

Fazit. Alexa und ich sind nun schon mehr als 2 Jahre zusammen. Für eine Teenagerliebe ist das schon gar nicht schlecht. Doch ich muss zugeben, die Schmetterlinge im Bauch habe ich nicht mehr und nach anfänglicher Überschwänglichkeit hat sich bei uns beiden dann doch der Alltag bemerkbar gemacht. Wir funktionieren miteinander doch mehr wird es wohl nicht werden. Erzählt es nicht weiter, doch insgeheim und ohne dass Alexa es weiß bin ich immer öfter in einschlägigen Etablissements wie Saturn oder Media Markt und schaue mich nach einer neuen um.

Wie sind Eure Erfahrungen mit Alexa?

 

Published by monissen

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